Neue Auftraggeber

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Die Neuen Auftraggeber
von Mönchengladbach

Foto: Jan Hoehe

Die Neuen Auftraggeber von Mönchengladbach

Auftraggeber*innen: Schüler*innen und Lehrer*innen des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums Mönchengladbach, Team und Besucher*innen des Arbeitslosenzentrums Mönchengladbach,

Auftrag: Wir beauftragen ein Projekt im Garten des Arbeitslosenzentrums, das den Anspruch auf gesellschaftliche Öffnung auf dem Abteiberg und die Besinnung auf die sozialen Wurzeln der Stadt sichtbar macht.

Mediator*in: Kathrin Jentjens,

Künstler*in: Ruth Buchanan,

Hauptförderer: Kulturstiftung des Bundes,

Zeitraum: 2018 –

>> News: Auftakt mit Workshops und Filmen

In Mönchengladbach kommt der Direktor des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums (HUMA) bei einem runden Tisch mit Mitarbeitenden des benachbarten Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e. V. – einem Beratungs- und Begegnungsort für Arbeitslose und Menschen in prekären Lebenssituationen – ins Gespräch.

Die beiden Institutionen am Abteiberg entdecken ein gemeinsames Interesse: Den bisher wenig genutzten Garten des Zentrums möchten sie zusammen in einen neuen Anziehungspunkt verwandeln. Der Ort soll nicht nur zum neuen Treffpunkt für die Schülerinnen und Schüler sowie Gäste und Angestellte des Arbeitslosenzentrums, sondern für die gesamte Stadt werden.

Gemeinsame Gartenarbeit

Foto: Jan Hoehe

Schülerinnen und Schüler des HUMA

Mit der Mediatorin Kathrin Jentjens entwickeln sie die Idee einer künstlerischen Gestaltung, die den Garten zum Quartier öffnen soll. Außerdem bietet das Arbeitslosenzentrum dem Gymnasium die gemeinsame Gartennutzung an. Diese ungewöhnliche langfristig angelegte Kooperation verweist auf die starken sozialen Traditionen der Stadt, die auch künstlerisch in Erinnerung gebracht werden sollen. Das HUMA wird den Ort in die schulische Projektarbeit integrieren. Teilnehmende der HUMA-Garten-AG arbeiten mit Besucherinnen und Besuchern sowie Mitarbeitenden des Arbeitslosenzentrums an der Gestaltung des Areals.

Für das künstlerische Projekt kann die in Berlin lebende Neuseeländerin Ruth Buchanan gewonnen werden. Sie schlägt vor, zwischen Garten und städtischem Umfeld buchstäblich Brücken zu bauen und Verbindungen zu schaffen. Ihr Entwurf Ein Garten mit Brücken (Wirbelsäule, Magen, Kehle, Ohr) sieht architektonische Eingriffe vor, die neuen Zugang zum Gelände ermöglichen, um dort sowohl Gemeinschaft, als auch Rückzugsorte zu finden. Eine Brücke, eine Rampe, eine Wendeltreppe und ein Pavillon schaffen ein Gefühl des Ankommens und laden zu unterschiedlichsten Formen des Beisammenseins im öffentlichen Raum ein.

Entwurf, Vorderansicht

Ruth Buchanan mit Fynn Morten Heyer, 2020

Was so entsteht soll der Stadtgesellschaft zugute kommen, die hier am Abteiberg, im Zentrum der Stadt und direkt angrenzend an den Hans-Jonas-Park, zwar zahlreiche öffentliche Einrichtungen der Bildung und Kultur vorfindet, aber kaum Verbindungen zwischen ihnen, wenig öffentliches Leben und nur wenige Orte, die zum gemeinsamen Verweilen einladen.

Buchanan untersucht in ihren Arbeiten, wie Architektur und Raum sich auf Körper, Bewegung, Interaktion und Selbstwahrnehmung auswirken und welche Machtstrukturen räumlichen Begegnungen zugrunde liegen. Am Abteiberg ordnet sie den architektonischen Elementen jeweils ein Körperteil und eine Farbe zu. Damit nimmt sie Bezug auf die physische Komponente ihrer Arbeit und macht zugleich lokale Referenzen auf.

Besuch von Ruth Buchanan bei der Auftraggebergruppe

Foto: Georg Beer

Entwurf, Rückansicht

Ruth Buchanan mit Fynn Morten Heyer, 2020

Die zungenrosa Wendeltreppe ist die Kehle und bezieht sich auf den Zugang zum Inneren des Körpers. Die gelbe Brücke überwindet eine Mauer zur angrenzenden Musikschule und legt sich wie ein lauschendes Ohr an sie. Ihr Schwefelfarbton erinnert an ein Pigment aus der Sammlung des Textiltechnikums und damit auch an die ehemaligen Bleichwiesen an diesem Standort. Der Pavillon mit Küche ist der Magen und trägt das Türkis-Grün der Medizin, also der Fürsorge und des Kümmerns. Und eine violette Rampe ist das Rückgrat. Mit der in der internationalen Frauenbewegung häufig verwendeten Farbe stellt sie der Geschichte des Ortes als ehemaligem Heim der männerbündischen Hitlerjugend einen feministischen Impuls entgegen.

Ruth Buchanan sagt: " Der Prozess der Erneuerung ist zentral für die Gesundheit des Körpers. Dieses Projekt funktioniert deshalb so gut, weil es genau das tut: Es schafft Wege der Erneuerung – und vielfältige Verbindungen."

Das verantwortliche soziale Miteinander ist eine der großen Traditionen der Stadt Mönchengladbach.

Schülerinnen und Schüler des HUMA

Foto: Jan Hoehe

Karl Boland und Karl Sasserath (Arbeitslosenzentrum) sowie Thomas Hollkott (HUMA) unterzeichnen den Auftrag

© Neue Auftraggeber / Tim Gorinski

WORKSHOPS UND FILMNACHMITTAGE

Zum Auftakt der Arbeit Ein Garten mit Brücken (Wirbelsäule, Magen, Kehle, Ohr) fndet ab Juni 2021 eine dreiteilige Workshopreihe statt. In kollaborativ angelegten Formaten stellt Ruth Buchanan die Inhalte des Auftrags und die Anliegen der Auftraggebergruppe vor. Themen wie Arbeit und Arbeitsleben, Gesundheit und Bewegung, Erfahrung des Selbst und Anderen kommen in den Workshops zur Sprache und ermöglichen ein temporäres Zusammentreffen unterschiedlicher Gruppen und Menschen auf dem Abteiberg.

Zwei Filmnachmittage widmen sich daran anschließend im September unter dem Titel Mitternacht / Arbeiterinnen: Geschichte, Zeitlichkeit und Kontext den Hintergründen der Arbeiterbewegung, Bedingungen von Arbeit und Auswirkungen auf das Privatleben von Arbeiter*innen aber auch künstlerischer Arbeit.

Die Veranstaltungen finden als Kooperation der Kunststiftung im Museum Abteiberg mit dem Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V. und dem Stiftischen Humanistischen Gymnasium statt.

Caroline Pekle in ihrem Garten, 2021

Foto: Caroline Pekle

Der Zenne Garden

Foto: Kobe Matthys

WORKSHOPS

Es gibt kein Unkraut: Pflege, Wachstum, Regeneration.

SAMSTAG, 26.6.2021

10–12 Uhr: Online-Vortrag mit Kobe Matthys (Zenne Garden) mit anschließendem Austausch
13 -15 Uhr: Besuch des örtlichen EWILPA-Wildpflanzenparks
Kostenfrei, auf deutsch und englisch, Anmeldung unter schaum@neueauftraggeber.de

FREITAG 3.9.2021, 14–17 UHR

Wildpflanzenworkshop mit Caroline Pekle im Garten des Arbeitslosenzentrums Mönchengladbach e.V.
Lüpertzender Str. 69, 41061 Mönchengladbach
Kostenfrei, auf deutsch, Anmeldung unter schaum@neueauftraggeber.de

In diesen Workshops denken wir über die Entwicklung eines (Gemeinschafts-)Gartens am Abteiberg nach. Als Ort, der sich auf vielen Ebenen erneuert, ist er Spiegelbild einer Stadt, die aufgrund des Wandels industrieller Prozesse, durch Spätkapitalismus und veränderte Bedürfnisse ihrer Bewohner*innen einem radikalen Wandel unterworfen ist. Wir reflektieren den Prozess, der mit der Schaffung eines Gemeinschaftsgartens verbunden ist, und die Beziehungen, die dieser Prozess hervorbringt. Zwei Gartenkundige teilen ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus der Arbeit in und mit Gemeinschaftsgärten mit den Teilnehmenden und wir besuchen Meike Koppmann und den EWILPA Wildpflanzenpark, ein lokales Projekt, das sich ebenfalls mit der Praxis des gemeinschaftlichen Gärtnerns beschäftigt. MEHR INFORMATIONEN ZUM PARK

Kobe Matthys ist ein Künstler aus Brüssel und Mitglied des Zenne Garden-Kollektivs und maßgeblich an der Entwicklung eines regenerativen Gemeinschaftsgartenprojekts in einer ehemaligen Industriezone von Brüssel beteiligt. Er wird Einblicke in diesen Prozess geben und das Konzept einer Garten-Charta und einer Nutzerbibliothek vorstellen. Beide beruhen auf dem Konzept, dass das Wissen zu den behandelten Themen schon da ist, wir müssen uns nur darum kümmern, es für alle zugänglich zu machen. MEHR ÜBER ZENNE GARDEN

Caroline Pekle arbeitet mit ganzheitlichen Praktiken und heilkundlichen Ansätzen. Sie vermittelt in diesem Workshop ihr Wissen über verschiedene Pflanzen, die bereits im Garten wachsen und ihre Wirkung. Wir werden lernen, wie wir nahrhafte Aufgüsse für uns selbst und für den Garten machen und wie wir diese Pflanzen ernten und in unsere Ernährung einbauen können.

Samstag, 4.9.2021, 10–13 und 15–18 Uhr

Passt mein Körper auch rein? Forschung und Bewegung: vom und in den Sinneskörper
Bewegungsworkshop mit Tanja Saban
Ab 14 Jahren. Keine Vorkenntnisse erforderlich.
Sporthalle des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums
Abteistraße 17, 41061 Mönchengladbach
Kostenfrei, auf deutsch, Anmeldung mit Angabe des Wunschzeitraums unter schaum@neueauftraggeber.de
Es handelt sich um den gleichen Workshop, der zu zwei Zeiten angeboten wird.

Ausgehend von den Konzepten der Regeneration und der Fürsorge erforscht dieser Workshop die körperliche Wahrnehmung und die kraftvollen Beziehungen, die entstehen können, wenn man sich auf sein sensorisches Selbst einstimmt und in der Folge unsere Beziehung zu unserer Umgebung in Bewegung setzt.

Der Workshop wird in zwei Teile gegliedert sein: Gaga/people und somatisches Sequencing. Gaga/people ist eine Bewegungssprache, die einen Rahmen bietet, in dem die Teilnehmenden sich mit dem Körper und ihrer Vorstellungskraft verbinden, körperliche Empfndungen erfahren und ein erweitertes Verständnis von Agilität und Freude an der Bewegung in einer einladenden Atmosphäre üben, die allen Mobilitätsstufen gerecht wird. Die Teilnehmer werden durch eine Reihe von Anweisungen geführt, die das Bewusstsein für Körperempfndungen sensibilisieren und verstärken. Nicht unähnlich dem Aufbau eines Gartens, überlagern und verdichten sich die Informationen in Schichten, anstatt sich von einer Anweisung zur nächsten zu bewegen, wodurch eine multisensorische Erfahrung entsteht.

Die Somatic-Sequencing-Session wird dies erweitern und sich darauf konzentrieren, wie Wahrnehmung unsere Bewegung beeinfusst. Wir erwecken die Körpersinne und tauchen in unsere inneren Landschaften, unsere Anatomie ein. Indem wir anatomische Strukturen visualisieren, berühren und bewegen, erkunden wir verschiedene Körperschichten und ihre Funktion. Eine differenzierte Wahrnehmung verfeinert das Körperbewusstsein und schafft Raum für die Reorganisation und Erweiterung unserer Bewegungsmuster. Wir erforschen, wo und wie Bewegung initiiert wird, wie sie sich im Körper fortsetzt, wie sie Rhythmus und Texturen orchestriert. Feines Hineinhören in den eigenen Mikrokosmos erweitert Wahrnehmungs- und Artikulationsfähigkeiten auf verschiedenen Ebenen.

"Your garden, you"

Fotografie von Ruth Buchanan, 2021

"Your garden, you"

Fotografie von Ruth Buchanan, 2021

"Your garden, you"

Fotografie von Ruth Buchanan, 2021

MITTERNACHT / ARBEITERINNEN: GESCHICHTE, ZEITLICHKEIT UND KONTEXT
FILMNACHMITTAGE IM MUSEUM ABTEIBERG

SONNTAG, 19.9.2021, 15 UHR

Berwick Street Collective: Nightcleaners, 1975
16mm-Film, gezeigt als HD-Video, 90 Minuten, OV (Englisch)

Kostenfrei, Anmeldung unter schaum@neueauftraggeber.de
Museum Abteiberg, Abteistraße 27, 41061 Mönchengladbach

SONNTAG, 26.9.2021, 15 UHR

Andrea Büttner: What is so terrible about craft? / Die Produkte der menschlichen Hand, 2019 Zweikanal-Video, Ton, 34 Minuten, OmU (deutsch mit deutschen Untertiteln für hörgeschädigte Menschen)
Schenkung von Outset Germany_Switzerland, Sammlung Museum Abteiberg

Rosalind Nashashibi: Vivian ́s Garden, 2017
16mm-Film, gezeigt als HD-Video, Farbe/Ton, 29:50 Minuten, OV (Englisch, Deutsch)

Maya Schweizer: Voices and Shells, 2020
Video, Farbe, 18 Minuten, OV (Französisch mit englischen und deutschen Untertiteln)

Kostenfrei, Anmeldung unter schaum@neueauftraggeber.de
Museum Abteiberg, Abteistraße 27, 41061 Mönchengladbach

Das Filmprogramm betrachtet die in den vorangegangenen Workshops untersuchten Konzepte von Fürsorge und Körperlichkeit durch die Linse der Beziehungen, die sich zwischen unseren Arbeitskörpern und unseren physischen Umgebungen oder allgemein zwischen den räumlichen und zeitlichen Parametern der Teilnahme an der sozioökonomischen Sphäre entfalten.

Präsentiert wird ein wegweisendes Werk der britischen Arbeitspolitik aus den 1970er Jahren zusammen mit aktuellen Arbeiten von drei Filmemacherinnen. So beginnen wir, die Kontingenz zu erschließen, die für unseren Platz innerhalb unserer eigenen Gemeinschaften und der Gesellschaft insgesamt auf dem Spiel steht.

Die Arbeiten reichen von dokumentarischen zu fiktiven Formaten, von gesamt-gesellschaftlichen Betrachtungen zu subjektiv-intimen. Sie bieten einen strukturierten Einblick in das Konzept des arbeitenden (und damit lebenden und handelnden) Menschen. In einer Gruppe betrachtet, unterstreichen diese Arbeiten die verschiedenen historischen Präzedenzfälle, von denen aus wir heute sprechen, arbeiten und in Beziehung treten, und offenbaren letztlich die Zerbrechlichkeit des Einfusses, den wir auf unsere Kontexte und der Kontext auf uns haben.

Berwick Street Collective: Nightcleaners, 1975

1975, Filmstill

Courtesy Berwick Street Film Collective, Humphry Trevelyan, Mary Kelly, James Scott, Marc Karlin und LUX_London

Maya Schweizer: Voices and Shells

2020, Filmstill

© Maya Schweizer

Das Veranstaltungsprogramm ist gefördert durch Kunststiftung NRW und Heidehof Stiftung

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