Wir sind für Sie da

Mit Kultur in schwierigen Zeiten Nähe schaffen

Bei Neue Auftraggeber sind wir immer nah dran. An vielen Orten begleiten wir den direkten Dialog zwischen Bürger*innen und Künstler*innen, die in gemeinsamen Projekten die Zukunft von Dörfern, Quartieren und Gemeinschaften gestalten. Während der Corona-Krise verlangsamt sich jedoch diese bürgerschaftliche Arbeit. Versammlungen fallen aus. Unsere Mediatorinnen und Mediatoren können nicht zu den Projekten reisen. Künstlerinnen und Künstler müssen einstweilen zu Hause bleiben. Das Virus zwingt uns, unseren wichtigsten Arbeitsplatz aktuell zu meiden: Den öffentlichen Raum. Unsere Arbeit aber geht weiter.

Wir verlieren unseren Enthusiasmus nicht. Nun sind neue Lösungen, Formate und Wege gefragt und wir arbeiten an vielen Schritten zugleich. Wir werben für die Finanzierung der Projekte. Wir planen mit Architektinnen und Statikern. Wir diskutieren die Vorhaben von Bürgerinnen und Bürgern mit Verwaltung und Politik. Und es gibt nun erfreulicherweise mehr Raum für Tiefenrecherchen, die ein wichtiger Teil unserer Methode sind.

Vor allem aber sehen wir unsere Verantwortung in den kommenden Wochen und Monaten dort, wo Kultur gerade besonders wichtig ist. Während Kinos, Museen oder Theater geschlossen bleiben müssen, werden wir unsere Projekte noch stärker vernetzen – auch mit digitalen Mitteln. Wir wollen den Austausch zwischen bürgerschaftlichen Gruppen stärken. Wir leisten unseren Beitrag dazu, in Dörfern und Städten den Zusammenhalt zu fördern. Wenn das öffentliche Leben sich verlangsamt, ist die Diskussion kultureller Anliegen und Vorhaben besonders wichtig, um die künftigen Gestaltungsperspektiven im Blick zu behalten. Wir brauchen nun mehr denn je Gemeinsamkeit und Verantwortung für unsere Gesellschaft. Unsere Auftraggeberinnen und Auftraggeber sind dafür leuchtende Beispiele. Wir werden sie in der kommenden Zeit tatkräftig unterstützen.

Wir bleiben im regelmäßigem Kontakt. Sie hören von uns! Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an, wenn Ihnen etwas auf dem Herzen liegt.

Ihr Team Neue Auftraggeber

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Neue Auftraggeber

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Die Neuen Auftraggeber
von Berlin Tempelhof

Sartep Namiq

Foto: Alexander Koch

Die Neuen Auftraggeber von Tempelhof

Auftraggeber: Sartep Namiq, Geflüchteter aus dem Irak,

Auftrag: Ich wünsche mir eine optimistische Geschichte über Flucht und Neuanfang. Ich will ein Comic ohne Worte und nur aus Bildern, das jeder lesen kann, und das allen Menschen Mut macht.

Mediatoren: Alexander Koch,

Künstler: Felix Mertikat, Bruce Sterling,

Kooperationspartner und Förderer: Institut für Auslandsbeziehungen, Auswärtiges Amt, Berlin, Fondation de France,

Zeitraum: 2016 – ongoing

Im Herbst 2015 wurde der stillgelegte Flughafen Tempelhof – eines der größten Infrastrukturprojekte des Naziregimes – zu einem Auffanglager für Geflüchtete. Im Austausch zwischen Einwohnern der Flüchtlingsunterkunft und Mediatoren der Neuen Auftraggeber begann im Frühjahr 2016 ein Gespräch über die Bedürfnisse der Neu-Berliner, die auf Anerkennung hofften. Einer von ihnen, der junge irakische Kurde Sartep Namiq, ergriff dabei die Initiative und beauftragte ein Kunstprojekt, das zu einer positiveren Wahrnehmung geflüchteter Menschen beitragen würde. Er wünschte sich ein Comic-Buch, das auf populäre und allgemeinverständliche Weise Geflüchtete nicht als Bittsteller darstellen sollte, sondern als kreative und progressive Kräfte für ein besseres Zusammenleben aller.

Vermittelt durch die Mediatoren beauftragte Sartep Namiq den amerikanischen Autor Bruce Sterling, einen Pionier der Cyberpunk-Literatur, eine entsprechende Zukunftsvision zu entwickeln, die von der Wirklichkeit des Flüchtlingslagers in Tempelhof ausgehen sollte. Sterling schrieb das erste Skript für einen Comic, der ohne Worte Menschen auf der ganzen Welt erreichen könnte. Er erfand die Vision einer Zukunft, in der in Windeseile eine neue Stadt entstünde, die die Wünsche, die Träume und das Können aller verkörperte, und in der Sartep Namiq als Held die Hauptrolle spielte.

Im nächsten Schritt beauftragte Namiq den deutschen Künstler Felix Mertikat, den Comic umzusetzen. Unter Mertikats Anleitung und im Austausch mit den Mediatoren wirkten in der ersten Phase Christoph Tauber und in der zweiten Matthias Zuber als Autoren an der Entstehung der Geschichte des Buches mit. Daneben haben auch Geflüchtete ihre eigene Perspektive eingebracht. Das Projekt lernte und entwickelte sich. Im Herbst 2019 soll das Comicbuch fertig sein. Durch Kooperationen mit Verlagen, Medien in Herkunftsländern und Flüchtlingshilfsorganisationen soll das Buch eine breite Zielgruppe erreichen.

Zum Inhalt: In der Science-Fiction-Geschichte wird der Flughafen Tempelhof zum Zentrum der Welt. Ein Ort der Zuflucht für alle, die keinen anderen Ort mehr haben – und für die Vielen, die unversehens zu ihnen stoßen, um Teil des Geschehens zu sein. Denn während nur eines Tages, vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang, verwandelt sich der Flughafen Tempelhof in einen Ort voller Imagination, Magie und Schaffenskraft. Dank des jungen Sartep, der eine Möglichkeit findet, die Wünsche und Träume der Einwohner von Tempelhof Wirklichkeit werden zu lassen, entsteht urplötzlich eine neue Stadt, eine neue Gemeinschaft, ein besseres Leben für alle. Tausende Menschen strömen von überall her auf das Flughafengelände um bei dem außerordentlichen Ereignis dabei zu sein und die neue urbane Welt mit zu erschaffen.

Dieses Comic-Buch ist die außergewöhnliche Geschichte eines geflüchteten Neu-Berliners. Es überwindet die Trennung zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen, „uns“ und „den anderen“, und öffnet das Vorstellungsvermögen aller für einen anderen Blick auf die Welt. Eine Welt, in der wir gesehen werden, in der man uns zuhört, in der wir unterstützt und ermächtigt werden, ein Gemeinwesen von Menschen zu sein, die all ihre Fähigkeiten zusammenbringen.

Felix Mertikat

„Wenn nur ein einziger Mensch diese Geschichte liest, hat es sich gelohnt.“

  • Sartep Namiq

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