Neue Auftraggeber

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Klappe halten? Handeln in Zeiten lärmender Rhetorik

Dienstag, 12. November 2019, 19 Uhr

Manchmal wird es laut. Ob in der eigenen Familie, beim Rockkonzert oder in der Politik. Dröhnende Sätze, ja selbst ein wütender Aufschrei, können gesund sein. Überdosiert vergiften sie jedoch das gesellschaftliche Klima und helfen nicht weiter. Dabei kann den Ohren schnell etwas Stilleres entgehen, das ungleich mehr Kraft besitzt als alle lärmende Rhetorik. Das Handeln.

Fabien Rigobert, Logis Castille, 2008–2010, Amiens, Frankreich

© Les Nouveaux Commanditaires

Wo etwas getan wird, ohne große Worte zu machen, da kann mächtig was los sein. Die normative Kraft des Faktischen ist sprichwörtlich geworden, und Fakten schaffen ist in einer Zeit mit vielen Fragezeichen sicher eine gute Idee. Für Gemeinschaften liegt zudem im Handeln noch ein weiteres Versprechen: vom Sportverein über das Dorffest bis zur Freitagsdemonstration - etwas zusammen zu machen, macht einen Unterschied.

Künstlerinnen und Künstler verstehen das gut. Kunst kann sehr diskursiv daherkommen. Ihr eigentlicher Witz aber besteht im Tun. Im künstlerischen Tun liegt zudem etwas, das es vom Fahrradfahren und Haare föhnen unterscheidet. Denn wenn alles gut geht, bringt es Dinge hervor, die man sich vorher kaum hätte ausmalen können, geschweige denn in Worte fassen.

Was beim Autobahnbau eine Katastrophe wäre, macht Kunst erst richtig gut: Dass man vorher nicht weiß, was hinten rauskommt – aber, wenn es einmal da ist, überzeugt. Und dann kann man auch wieder Worte dafür finden, was Da eigentlich getan wurde und warum das wie funktioniert.

Es soll also um das Handeln gehen an diesem Abend. Und darum, wie es Gemeinschaften verändern kann. Was man nicht sagen kann, davon muss man vielleicht handeln. Wenn man das Unerwartbare sucht, muss man es manchmal machen, statt es zu planen. So kann sich auch dort etwas verändern, wo alles schon gesagt zu sein scheint, oder wo Schreihälse um die Lufthoheit streiten, während um sie herum schon der Boden umgegraben wird.

Alexander Koch (Neue Auftraggeber, KOW) im Gespräch mit:
Alice Creischer (Künstlerin, Autorin)
Dorothea von Hantelmann (Kunsthistorikerin, Kuratorin)
Maria Kleinschmidt (Aktivistin, Extinction Rebellion)
Zoë Claire Miller (Künstlerin, Sprecherin bbk berlin, Mitbegründerin Berlin Art Prize)

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