Neue Auftraggeber

EnglishDeutsch

Entscheiden im Bürgerauftrag. Ist das noch demokratisch?

Dienstag, 12. März 2019, 19 Uhr

Politik und Verwaltung handeln im Auftrag der Bürgerinnen und Bürger. Zweifel daran kann sich eine repräsentativen Demokratie nicht erlauben. Doch immer öfter leidet das Vertrauen darauf, dass die öffentlichen Repräsentanten diesen Auftrag auch hören. Die Undurchschaubarkeit globaler Entwicklungen und die Sachzwänge einer von Effizienzdenken getriebenen Politik entfremden das Wahlvolk von den demokratischen Institutionen. Die zunehmende Verrohung der politischen Diskussion zeitigt Risse in den politischen Strukturen. Wer heute sagt, er handle im Bürgerauftrag, betritt ein ungesichertes Gelände. Er muss sich, das weiß jeder Landrat, erst einmal beweisen, bevor man ihm vertraut.

Yona Friedman, Musée des Graffitis, 2006-2009, Paris, Frankreich

© Les Nouveaux Commanditaires

Daraus erwächst in Dörfern und Quartieren zunehmend der Wunsch, sich einfach selbst zu vertreten. Es entstehen Phantasien einer direkteren Politik – die konkrete Interessen handfest umsetzen soll. Zwar trifft das nicht nur auf die bunt gemischte Dorfgemeinde zu, die ihr Theaterfest organisiert. Jeder Populist reklamiert den Volkswillen für sich, um die demokratische Debatte zu untergraben. Vielleicht liegt aber dennoch mehr Chance als Risiko darin, demokratische Prozesse lokal neu zu verhandeln und eine Sprache zu entwickeln, in der man politische Teilhabe wieder zu seiner eigenen Sache macht.

Denn trotz aller Unsicherheit bestreitet niemand, dass die Demokratie das Vertrauen zurückgewinnen muss, Gesellschaft aktiver und spontaner als bislang gestalten zu können. Entscheiden im Bürgerauftrag: Wird das künftig immer öfter bedeuten, dass Bürger*innen ihre Kompetenz anmelden, ihre Bedürfnisse klarmachen, fordern, was es braucht und dabei öffentlich Verantwortung übernehmen anstatt (nur) wählen zu gehen? Kommt es zu neuen Formen der Handreichung zwischen lokalen Begehren und politischer Repräsentation?

Diskussionsrunde mit
Dr. Mark Terkessidis (freier Autor und Migrationsforscher)
Prof. Dr. Wolfgang Merkel (Direktor der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, Berlin)
Dr. Juliane Stückrad (Büro für Angewandte Kulturforschung, Eisenach / Lehrstuhl für Volkskunde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Alexander Koch (Direktor der Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, Berlin)
Moderation: Simone Miller (Kulturredakteurin beim Deutschlandfunk Kultur)

Keine Projektdetails verfügbar